Burgos und Camino-Ende 2014

Ich bin am Ende meines Jakobsweges gelandet und bin stolz darauf, dass ich etwas geschafft habe. Oft hatte ich das Gefühl etwas anzufangen und dann doch nicht fertig zu machen, jetzt habe ich mir selbst bewiesen, dass ich Dinge auch zu Ende bringen kann, auch schwierige Herausforderungen annehmen und durchstehen kann.

Die Organisation vor dem Weg, die Fahrt, der Weg selbst, auf Menschen zuzugehen, mit Buen Camino grüßen, zu lächeln,  ein paar Worte zu sagen, wo kommst du her – wo gehst du hin? Es ist nicht schwer, dies alles zu machen wenn man will. Ich wollte es und es ging. Alles musste ich selbst lösen, Hüfte, Füße, vor allem mein linker Fuß tat mir an jedem Morgen sehr weh. Es ging ein paar Kilometer gut, dann sind mir die mittleren Zehen eingeschlafen und das tat höllisch weh. Ich habe immer die Zähne zusammengebissen und nach einiger Zeit war es tatsächlich auch wieder besser. Reinhard sagte, ich soll nach „oben denken wenn es unten weh tut“ nach der Alexander-Technik. Naja – was immer das auch ist.

Ich wache am Morgen, 19. September auf und stelle fest, dass alle weg sind, ich habe zum ersten Mal weitergeschlafen während alle aufgebrochen sind. Auch Kay ist weg und ich fühle mich alleine, ich packe meinen Rucksack und gehe im Restaurant frühstücken, frage nach dem Busbahnhof und laufe los. Ich sitze im Bus und fahre an den Pilgern vorbei – blödes Gefühl – ich glaube ich habe einen Fehler gemacht, denn eigentlich will ich weiterlaufen. Ich habe meine Tour wohl doch nicht so gut organisiert, irgendwie fehlen mir 2 Tage, ich hätte längere Touren machen müssen, nächstes Mal wird das anders.

In Burgos angekommen laufe ich in Richtung Innenstadt und komme an einer Markthalle vorbei.

Ich schlendere in die Stadt über den Rio Arlazon, die Türme der Kathedrale zeigen mir den Weg. Ich sehe plötzlich mehrere Pilger mit Rucksäcken vor einem Haus stehen und denke mir, dass dort eine Herberge ist, dann könnte ich ja dort übernachten.

Tatsächlich bekomme ich dort ein Bett aber später bemerke ich, dass die Betten nicht so sauber sind und die Hospitaliera auch nicht so freundlich. Außerdem liegt eine Frau im Bett und hustet fürchterlich, ohweh denke ich, das kann eine Nacht werden. Schon wieder bekomme ich ein oberes Bett zugewiesen, SackZement, sehe ich so aus als ob ich nur oben schlafen möchte? Die Herberge war früher mal ein mittelalterliches Pilgerhospital, unten gibt es eine Kapelle – oben schlafen die Menschen. Ich stelle meinen Rucksack ab, lege meinen Schlafsack aufs Bett und laufe in die Stadt, ich möchte mir die Kathedrale anschauen.

Für die Kirche (seit 1984 Weltkulturerbe) braucht man mindestens 2 Stunden mit Audiobegleitung, wobei man eher durch ein großes gotisches Museum geht, der Teil, in dem Gottesdienste stattfinden, ist abgeteilt und sollte nicht besichtigt werden um die betenden Menschen nicht zu stören. Es ist ein wunderschönes Museum und ich genieße meinen Rundgang.

Na jedenfalls bin ich in Burgos und alle anderen sind weitergelaufen… mein Camino ist zu Ende. Es fängt an zu regnen als ob der Himmel mit mir traurig wäre. Ich gehe in meine Herberge zurück und klettere auf mein Bett um etwas auszuruhen. Irgendwie ist schlechte Stimmung in diesem Raum, die Hospitaliera kommt und schimpft weil wir festgestellt haben, dass das Toilettenpapier alle ist. Wir haben sie nur drauf aufmerksam gemacht, ganz freundlich aber sie hat wohl schlechte Laune. Unter mit liegt eine Japanerin oder Chinesin, der Mann von ihr liegt im Bett gegenüber, die haben Krach, irgendwas stimmt da nicht, Göttin, ich muss da raus, flüchte förmlich und laufe ziellos durch die Gassen.

Da hilft nur Essen…

Später habe ich noch ein schönes Erlebnis mitten in Burgos, eine Theatergruppe gibt eine Vorstellung für Kinder und ich entdecke wieder mal meine kindliche Seele und habe viel Spass an der Aufführung, für die man keine Kentnisse der spanischen Sprache braucht.

Später gehe ich zurück in die Herberge, Zähneputzen, umziehen und ab ins Bett, ich kann tatsächlich gut schlafen.

Am nächsten Morgen geht mein Bus von Burgos – Busbahnhof nach Santander, wo ich von Bettina und Markus erwartet werde. Diese haben mir zwischenzeitlich in Santander ein schönes kleines Hotelzimmer gebucht. Die Fahrt dauert ca. 2 1/2 Stunden und geht über die Berge nach unten ans Meer.

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