Belorado

Es ist Donnerstag, 18. September, am Samstag, 20. September muss ich in Santander sein, ich rechne die Kilometer nach Burgos nach und stelle fest, das ich noch 50 km zu laufen habe, für mich nicht zu schaffen. Deshalb beschließe ich, ab hier mit dem Bus nach Burgos zu fahren.

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Es wird also mein letzter Abend mit Kay werden, ich schlage ihr vor, sie zum Essen einzuladen, was schwierig ist mit ihrer Gluten-Allgergie. Sie trinkt Weißwein, isst Gazpacho und einen Salat. An der Wand werden über eine Beamer Impressionen des Jakobsweges gezeigt, dazu gibt es sentimentale Musik von Enya. Mir kommen die Tränen bei dem Gedanken, dass jetzt alles vorbei ist.

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Ich räume meinen Rucksack um und finde ein paar Dinge, die ich gerne Kay überlasse. Ein Funktionsshirt, meine Ohrenstöpsel (die noch neu waren), ein paar Sicherheitsnadeln. Kay ist nicht gut ausgestattet, fällt mir auf, ich mache mir Gedanken wie sie nach Santiago kommt. Kay weint ein bisschen beim Abendessen und ich weine mit, was ist nur los mit uns? Mein Weg hat bei der Abreise in Frankfurt mit Tränen begonnen und endet mit Tränen jetzt in Belorado.

Ich sage zu Kay in meinem schlechten Englisch, dass der Weg auch eine Zeit voller Abschiede ist. Klingt irgendwie pathetisch, ist aber wahr. Wir treffen so viele Menschen und müssen immer wieder Abschied von ihnen nehmen. Reinhard aus Bayern, der mich zu Beginn ein wenig an die Hand nahm und sich dann zum Gockel aufspielte, Thomas aus Kiel, der seit Genf läuft und irgendwann mal an Weihnachten daheim sein will, Neville (Opa 76) und Chris aus Neuseeland (Enkel 26), die beiden älteren Franzosen, deren Name ich nicht kenne und die uns immer wieder überholten und so freundlich lachten, Kay aus Wisconsin, die mein schlechtes Englisch tolerierte und mit der ich mich trotzdem so gut verstand. Wir haben „Strangers in the night“ zusammen gesungen und „das Wandern ist des Müllers Lust“, sie hat sich auf mich verlassen und es hat immer alles geklappt. Bärbel und Werner, die über den Weg hetzten ohne Rücksicht auf seine Fersen, die total wund waren, ein brasilianisches Pärchen mit Vater, die junge Frau war so erschöpft dass sie ein Taxi gerufen haben. Sie alle und noch viel mehr Menschen laufen sich immer wieder über den Weg, gehen stückweise gemeinsam und dann auch wieder alleine.

Hier gehts weiter nach Burgos und zu meinem Camino-Ende