Zizur Menor > Puento la Reina > Estella

Die paar Kilometer nach Zizur Menor schaffen wir mit links und bekommen Betten in der Alberque Familia Roncal. Eine paradiesiche Herberge mit schönem Garten, schönen Zimmern, schönen Duschen, ich bin total begeistert, hier siehts richtig nach Urlaub aus. Die Madame ist etwas büsk, eine richtige Madame halt, ich habe mir eine Decke in den Garten gelegt und werde weggeschickt, da das Gelände privat ist, ich darf mich 2 m weiter rechts hinlegen, dort ist es nicht privat, na gut! Wir waschen unsere Kleider, hängen sie in die Sonne, relaxen und gehen abends zu einem wirklich guten Pilgermenü, auch hier steht dazu eine Flasche Rotwein auf dem Tisch – Spanien ist herrlich!

Am nächsten Morgen sind wir schon vor 7 Uhr unterwegs zum berühmten „Alto del Perdon“.

Wir treffen Atilla, einen jungen Mann aus England, der sofort von Reinhard „seine“ Story von seinem Bandscheibenvorfall im letzten Jahr übergebraten bekommt. Ich kann’s jetzt wirklich nicht mehr hören und lasse die beiden hinter mir, ich gehe einfach etwas schneller. Es ist herrlich, nach diesem Gesabbel endlich mal alleine zu laufen, ich finden meinen Rythmus und laufe und laufe… mir fällt überhaupt nicht auf, dass es stetig bergauf geht und auf einmal bin ich oben, stehe vor diesen wundervollen Figuren. Das Abstieg dann hat es in sich, es geht wirklich sehr lange über einen ziemlich groben Steinweg nach unten, man muss jeden Schritt sehr bewusst machen. Später stelle ich fest, dass zwei Frauen dort ziemlich übel gestürzt sind. Ich bin froh, dass ich momentan alleine laufe, da kann ich mich optimal konzentrieren.

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Diese Etappe ist sehr anstrengend, erst dieser gefährliche Abstieg, dann gehts noch lange durch die Ebene weiter. Ich schleppe mich durch Puente la Reina  und über diese herrliche Brücke, ich hatte mit Reinhard verabredet, dass wir uns in der Herberge Santiago Apostol treffen. Dort liegt ja auch mein Rucksack, wenn diese beiden Dinge nicht so gewesen wären, ich hätte mir unten in der Stadt eine Herberge gesucht. Aber da ich oben verabredet bin schleppe ich mich einen blöden, sausteilen, geschotterten Berg hoch in die Herberge.

Santiago Apostol

In der Herberge gibt es sogar einen Pool aber ich bin so fertig, es ist so heiß, ich muss mich erst mal ausruhen. Der Hospitallero ist unfreundlich, brummig, ich verstehe nichts und bin auch ein bischen ungehalten. Ich bekomme ein Bett zugewiesen und werfe mich erst mal drauf, ich nehme das untere – heute schläft Reinhard mal oben – ich schlafe sofort ein. Eine Stunde später kommt das übliche – waschen – duschen – Rucksack räumen – zwischendurch kommt Reinhard angeschnauft- abends gibt es ein nicht sehr gutes Pilgermenü. Wir sitzen an einem Tisch voller Amis und können uns trotzdem unterhalten. Der Hospitallero lässt nicht zu, dass sich Leute abseits hinsetzen, wir müssen aufrücken, eine gute Idee. Der ältere Mann schräg gegenüber von mir kommt ursprünglich aus Deutschland, es wird ein netter Abend, schon alleine auch deshalb, weil ich zum Essen einen halben Liter Rotwein „zugewiesen“ bekomme. Ich habe mich nicht gewehrt nach diesem anstrengenden Tag.

Am nächsten Morgen gehts wieder in der Dunkelheit weiter, schade, ich habe von Puente la Reina nichts mitbekommen, weil wir die Herberge außerhalb genommen hatten und ich nach der Ankunft zu müde war.

Unterwegs beim Frühstücken in einer Bar trenne ich mich von Reinhard, ich gehe alleine weiter, der Weg ist wieder sehr anstrengend und sehr heiß. Mittags komme ich in Estella an und stelle fest, dass ich meinen Rucksack zwar vorgeschickt aber vergessen habe, in welche Herberge, schön blöd! In Estella beginne ich, die Herbergen abzuklappern, ich bin müde, mir tun die Beine weh und ich finde meine Herberge nicht. Eine Hospitallera telefoniert und schickt mich zur letzten Möglichkeit, der Alberque de ANFAS de Estella, ewig weit draußen, dann den Berg hoch, ich hoffe wirklich, dass dort mein Rucksack auf mich wartet. Auf die letzten Meter treffe ich ein älteres Pärchen, die ebenfalls schon sehr müde sind und wir schaffen uns gemeinsam den Berg hoch. Oben angekommen sitzt Reinhard vor der Tür und wartet, jetzt freue ich mich direkt ihn zu sehen, jetzt weiß ich, dass ich die richtige Herberge gefunden habe, mein Rucksack ist auch schon angekommen.

Wir beziehen unsere Betten, legen die Schlafsäcke aus, diesmal gibt es keine Stockbetten. Hier sieht es aus als wäre die Halle mal ein Fitnessstudio gewesen, ausgeräumt und mit Betten vollgestellt wurde. Die Stadt Estella ist groß, ich kann mir in einem nahe gelegenen Supermarkt einen Foto kaufen. Ich entscheide mich wieder für eine IXUS von Canon, damit komme ich gut zurecht. Hier gibt es sogar einen Decathlon, Reinhard kauft sich ein neues Handtuch, das alte hat er liegen gelassen.

Am nächsten Morgen gehts wieder früh los, Bärbel und Werner starten früh und ich gehe mit, Reinhard wird wieder mal nicht fertig und an diesem Morgen reicht es mir. Er packt am Abend seinen Rucksack – und morgens nochmal… oder will er dass ich alleine los laufe? Na jedenfalls lass ich ihn jetzt seinen Rucksack weiterpacken und wir laufen zu dritt los.

Meine Güte, die beiden Leute haben einen schnellen Schritt drauf. Ich komme aber mit und ich mag es auch gerne, wenn ich gefordert werde, ja – die beiden fordern mich wirklich. Zu allem Überfluss hat Werner zwei offene Fersen, das rohe Fleisch, Bärbel verpflastert es ihm immer wieder. Sie müssten dringend mal eine Pause machen aber die haben ein Tempo drauf – unfassbar!

Unsere nächste Station wird Los Arcos sein, ich stelle fest, dass mein Bargeld zur Neige geht und frage unterwegs nach einem Geldautomaten. In Los Arcos soll eine Bank sein, dort werde ich Geld abheben können.

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