Leon > Astorga

In Leon angekommen stellen wir fest, dass Mittelalterlicher Markt ist – rund um die Kathedrale. Was für ein Leben, was für ein Treiben…

Es ist schwierig eine Unterkunft zu finden, rund um die Kathedrale ist alles besetzt. Wir finden aber eine Pension für 20 Euro/Person, sauber und nett. Dann gehen wir – trotz Schmerzen im Bein – auf den Markt Paella essen, die machen die Teller so voll dass wir eine Portion wieder zurückgehen lassen weil wir pappsatt sind.

Wir schauen vor der Kathedrale zu wie eine Hochzeit in die Kirche schreitet, die wegen dieser Festlichkeit für das „normale“ Publikum geschlossen ist.

Am nächsten Vormittag geht es weiter aber vorher gehen Toni und ich ausnahmsweise in die Kirche, eine kleine Seitenkapelle an der Kathedrale. Dort saßen wir vor dem Altar, der eine wundervolle Pieta zeigte.

Da passierte es, ich konnte nichts dagegen machen, die Gedanken kamen und ließen mich nicht mehr los:

Als ich auf dem Altar die Muttergottes mit dem toten Jesus auf den Knien sah, dachte ich an alle Mütter auf dieser Welt, denen das Liebste, ein Kind oder Kinder, genommen wurden bzw. werden. Dort sitzt diese Frau mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß – was kann einer Mutter schlimmeres passieren und doch geschah und geschiet es immer wieder, millionenfach und täglich. Keine Mutter hat dieses große Leid verdient! Um dies zu erkennen muss man weder katholisch, evangelisch, muslimisch sein noch sonst einer Religion angehören. Die Mütter dieser Welt dürfen sich ihre Söhne und Töchter nicht durch extreme Verfechter jedweder Religion nehmen lassen!

Ich saß in dieser Kapelle und kämpfte mit den Tränen wegen diesen Gedanken an so viel Leid, das Menschen ertragen müssen.

Da wir wissen, dass der Weg aus Leon hinaus durch ein Industriegebiet führt und da mir mein Bein noch immer ziemlich weh tut, nehmen wir den Bus bis nach La Virgen del Camino. Von dort laufen wir weiter bis nach San Miguel del Camino, dort ist schon nach kurzer Zeit mein Bein so schlimm dass ich Toni weiterziehen lasse und mich in ein Cafe setze. Ich bin ziemlich verzweifelt und spreche eine junge Frau an, die dort bedient. Sie überlegt kurz und bietet mir an, mich in eine Herberge in Villadangos del Paramo zu fahren, dort kennt sie eine Herberge und dort könnte ich zum Arzt gehen. Ich bin ihr so dankbar und weiß, sie wird mir helfen, was auch so kam!

Ich mache mein Bett, da geht die Tür auf und Toni kommt rein, was für eine Überraschung, ich dachte schon, ich hätte ihn verloren…

Am nächsten Vormittag macht sich Toni auf den Weg nach Astora und ich gehe – in Begleitung von dieser lieben Bea Puente – zu einer Ärztin (für Pilger kostenlos). Sie schaut sich mein Bein an und Bea übersetzt für mich aus dem Spanischen ins Englische, dass die Ärztin sich sorgt, es könnte eine Thrombose sein. Ohweh, sie verschreibt mir 10 Thrombosespritzen, die ich mir selbst in den Bauch geben muss und eine Packung Ibu 600 (3 x am Tag). Ich fahre mit dem Bus nach Astorga und humpele zu einer großen Herberge.

Nachdem ich mein Bett bezogen habe humpele ich zu einer Apotheke und bekomme meine Spritzen. Ich habe sowas noch nie gemacht und frage die Apothekerin, ob sie mir eine Spritze geben kann. Nein, das macht sie nicht, sowas ist Sache eines Arztes. Sie verweist mich in die Klinik, gefühlte 5 km entfernt, dorthin humpele ich und eine sehr nette Ärztin zeigt mir, wie man die Spritze sich selbst in den Bauch sticht… boah, kann das denn sein? In der Herberge angekommen ist auch Toni schon wieder da und wir verbringen einen netten Abend auf dem Astorga-Marktplatz.

Ein kleines Video mit Glockengeläut hört ihr hier…

Am nächsten Morgen läuft Toni weiter und ich nehme mal wieder den Bus, die Ibu wirken zwar schon aber ich muss mal pausieren sonst sehe ich mich heimfahren…

Im Bahnhof sehe ich den Mann mit diesen Schuhen, herrlich!

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