Estella > Los Arcos > Logrono

Ich bin mit Bärbel und Werner auf dem Weg nach Los Arcos, Bärbel sagt dass es eine lange Strecke keine Bar gibt und deshalb decken wir uns mit Essen ein, für die nachfolgenden Ereignisse eine gute Entscheidung.

Es kam dann doch noch eine Bar, wir haben dort – wie überall – lecker und günstig gefrühstückt.

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Da es in Los Arcos einen Geldautomaten geben soll habe ich fast mein ganzes Geld ausgegeben, ich besitze jetzt noch 3 Euro. Ich laufe alleine und das ist wundervoll. Dass man beim Gehen ganz bei sich selbst ist habe ich mir die ganze Zeit schon gedacht, das habe ich die letzten Tage vermisst. In Los Arcos angekommen gehe ich in die Albergue de la Fuente Casa de Austria und dort steht mein Rucksack, alles ist gut, jetzt brauche ich nur noch Bargeld. Ich lasse den Rucksack stehen, ein junges Pärchen aus Österreich sitzt dort und wartet aufs Öffnen der Herberge, ich mache mich auf den Weg um den Geldautomaten zu suchen.

Ich habe ihn gefunden aber er hat die Karte nicht genommen und es war Sonntag. Ich hatte noch 3 Euro in der Tasche, war ja der Meinung, dass alles mit dem Geldabheben klappt. Das erste Problem in Los Arcos hat das junge Pärchen aus Österreich gelöst, sie haben mir die Herberge mit 9 Euro gezahlt. Leider habe ich sie dann nicht mehr wiedergesehen und konnte das Geld nicht zurückgeben aber sie haben mich gerettet und ich bin ihnen sehr dankbar. Glücklicherweise hatte ich mir am Morgen das Frühstück gekauft und etwas zu trinken hatte ich auch, von dieser Sicht aus gesehen hatte ich keine Not. In der Herberge fragt der Mann im gegenüberliegenden Bett: „I’m Neville from Newseeland. How are you?“ Ich antwortete niedergeschlagen: „Not so good Neville, I don’t have Monney!“ Er fragte: „Do you have Food?“ Ich lachte und sagte: „Yes, I have food!“

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Neville (76) from Newseeland

Am nächsten Morgen bin ich mit den restlichen 3 Euro mit dem Bus nach Logrono gefahren und habe dort insgesamt 6 Banken abgeklappert, überall Kopfschütteln – da kann man nix machen – die Karte ist kaputt. Seltsamerweise hatte ich sie 3 Tage vorher noch ohne Probleme in einem Supermarkt benutzt. Nur – in einem Supermarkt kann ich nicht schlafen… ich kann es kaum fassen, ich befinde mich in Europa und bekomme kein Geld mit meiner Karte. Ich lehne an der Außenwand der letzten Bank und überlege was ich machen soll, Polizei? Ein Konsulat gibt es in Logronio nicht und Geld für weitere Busfahrten habe ich nicht.

Der letzte Ausweg waren meine Tochter und Schwiegersohn in Deutschland, glücklicherweise waren sie daheim und konnten für mich in Erfahrung bringen wie man Geld nach Spanien transferieren kann. Ein Anruf bei unserer Hausbank half ihnen nicht wirklich weiter aber durch Zufall kam heraus, dass es die Möglichkeit einer Expressüberweisung von einer Post in Deutschland zu ausgewählten Banken in Spanien gibt.

Meine Tochter gab mir per SMS zwei Adressen durch, zu einer bin ich in Logronio gegangen. Am Empfang wollte man mich schon wegschicken weil es angeblich keine Expressüberweisungen gibt. Ich habe dann aber darauf bestanden zu einem Kollegen zu kommen, der englisch spricht. Dieser sagte mir, dass es möglich ist, Geld aus Deutschland auszuzahlen. Ich rief die Tochter an, die zur gleichen Zeit in Deutschland in einer Poststelle stand. Dann wartete ich ab, bis sie mir per SMS einen Zahlencode durchgab. Den gab ich an den Herrn in der spanischen Bank weiter. Dann hieß es wieder warten – bis der Zahlungseingang auf dem Bildschirm in der Bank zu sehen war – das dauerte, aber am Ende hatte ich Bargeld in der Hand und war überglücklich.

Es ist wichtig, zusätzlich eine Kreditkarte mitzunehmen und auch den Code zu kennen fürs Abheben von Bargeld. Mit zwei Karten dürfte man auf der sicheren Seite sein. Oder nur Bargeld mitnehmen und genau einteilen…

Bei meiner Karte war wohl der Strichcode fürs Ausland defekt. Probeweise habe ich in Santander die Karte in einem Automaten der Deutschen Bank ausprobiert und da habe ich dann auch Geld bekommen. Auf diese EC-Karten ist kein Verlass!!!

Ich war sehr hilflos in Logronio und wünsche niemandem diese Erfahrung. Ich dachte wirklich, ich müsste unter einer Brücke schlafen und mir Essen aus Mülleimern besorgen. Um so erleichterter war ich als ich mit Geld dann später in einem Restaurant ein gutes Essen bestellen konnte.

In der Herberge habe ich im Bett gegenüber Neville getroffen, er fragte: „Ulla, how are you?“ Ich antwortete: „Fein, Neville, I have Money!“ Wir lachten beide und freuten uns, dass ich wieder „flüssig“ bin.

Irgendwie hat mich diese Geschichte vollkommen entmutigt, ich würde am liebsten mit Bettina und Markus nach Hause fliegen, sie wollen eine Woche in Santander verbringen und wir wollten uns am Ende meiner Wanderung dort treffen. Bettina sagte am Telefon, ich solle es mir nochmal überlegen.

In dieser Herberge lerne ich Kay (66) aus Wisconsin kennen. Kay und ich gehen am nächsten Morgen gemeinsam los, meine Motivation ist wieder da, mit genügend Geld sieht die Welt halt auch wieder anders aus.

Wir gehen nach Ventosa, sind schon um 5.30 auf den Beinen und gehen um 6 Uhr los. Es ist sehr ungewöhnlich, Kilometer für Kilometer durch eine dunkle, ausgestorbene Stadt zu gehen. Kay hat Probleme mit den Knien und wir laufen langsam, sie läuft, da sie Blasen an den Fußzehen hat, in Sandalen und es geht auch…. jeder so wie er/sie kann.

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Da wir unsere Rucksäcke wieder transportieren lassen suche ich in Ventosa die Herberge San Saturnia aus. 20 km ab Stadtgrenze haben wir vor uns, Kay mit Fußproblemen und ich habe Probleme an der Hüfte – es wird wohl eine Überlastung sein, trotzdem: Auf nach Ventosa!

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