Logrono > Ventosa > Nájera

Wir laufen über den Alto de la Grajera nach Navarette. Es geht ziemlich steil den Berg hoch und wir genießen die schöne Landschaft.

Nach 20 km kommen wir in Ventosa an, sitzen dort vor der Herberge und warten auf die Öffnung um 13 Uhr. Kay sagt plötzlich, dass sie lieber in Najera übernachten möchte, mir ist das egal – aber eigentlich würde ich lieber bleiben, die Herberge sieht gut aus. Naja – ich weiß nicht warum Kay unbedingt weg möchte, wir haben die Rucksäcke in diese Herberge schicken lassen, sie sind auch schon angekommen sehe ich, als geöffnet wird.

Als die Hospitaliera bemerkt, dass wir wieder weg wollen wird sie böse, sie meint, wir hätten ihre Gutmütigkeit ausgenutzt, weil wir die Rucksäcke dorthin haben liefern lassen und jetzt würden wir nicht mal übernachten. Sie ist aus Österreich – ich schaue sie verständnislos an – ich weiß nicht ob ich richtig höre?

Ich bin geknickt, man will ja als Pilger immer alles richtig machen, mit jedem gut auskommen aber hier bin ich ratlos. Sie ist richtig sauer, erzählt mir, wie voll es normalerweise dort ist, die Leute würden sich um die Betten fast schlagen und wir wollen wieder weg. Ich bleibe ganz ruhig, erkläre dass es halt so ist… da wird sie langsam auch ruhiger, letztendlich entschuldigt sie sich bei uns und ruft uns sogar ein Taxi, damit fahren wir nach Najera bis vor die Haustüre der nächsten Herberge.

In der Albergue de Peregrinos stehen wir erstaunt vor einem großen Raum, wir erfahren, dass hier 92 Pilger Platz finden. Nachdem unser Pilgerausweis abgestempelt wurde und wir eine Spende in die Box geworfen haben (es bleibt uns überlassen, was uns unser Bett wert ist), beziehen wir unsere Betten. Die Leute sind sehr freundlich, es handelt sich um einen Verein, die Vereinsmitglieder nehmen die Pilger hier sehr nett auf. Dann das übliche Ritual, Wäsche waschen, Internet, Kay hat eine Gluten-Allergie und kocht sich Reis mit Linsen, naja – es sieht nicht so appetitlich aus.

Ich höre Kanonendonner und Blasmusik, was ist denn hier los? Ich mache mich auf die Suche nach der Ursache und finde eine echte Stierkampfarena.

Neugierig gehe ich zum Eingang der Toreros und frage, ob hier wirklich ein Stier getötet wird, man dreht sich um und tut so, als ob man mich nicht verstanden hätte… die spanischen Familien kommen mit Kind und Kegel und mit Kühltaschen und Getränkekisten. Ich laufe zurück, an der Herberge vorbei in eine kleine moderne Ecke mit Restaurants, dort setze ich mich zu Remko aus Holland, wir trinken Bier. Später kommt Kay und bestellt sich Scotch. Dann gehen wir in eine Apotheke und kaufen uns Ibuprofen 600 für 2 Euro die Packung – für Knie und Hüften.

Zurück in der Herberge gab es Gitarre und Gesang, ich schlafe dabei ein und fühle mich sehr priviligiert. Die vielen Betten dämpfen wohl die Geräusche, ich höre in dieser Nacht kein Geschnarche.

Am nächsten Morgen geht es wieder um 6 Uhr weiter, ein ganzer Pulk von Pilgern läuft jetzt los, gedämpfte Stimmen, Geklapper der Stöcke und hüpfende Lichter von den Stirnlampen, wenn wir weg sind wird es wieder ruhig hier bis morgen früh.

Auf nach Santo Domingo de la Calzada – zum Hühnerwunder – 21 km.