Roncesvalles > Zubiri > Pamplona

Um 6.30 Uhr ist wecken angesagt in Roncesvalles, bis wir fertig sind wird es 7.00 Uhr. Mit unseren Stirnlampen ziehen wir ins Dunkel, es ist ungewohnt, ich glaube es ist ein schöner Weg aber ich sehe nichts von der Landschaft. Auch heute wird mein Rucksack wieder gefahren, ich habe nur einen kleinen Rucksack bei mir, in dem ich mein Wasser transportiere und etwas Obst. Wir werden im nächsten Ort in einer Bar frühstücken, haben wir verabredet. Ich habe bemerkt, dass Karine sehr viel Essen mit sich rumschleppt, was eigentlich nicht nötig wäre. Die Bogadillos in den Bars sind groß, gut belegt und billig, dazu ein oder zwei Kaffee, mehr benötigt man den Tag über nicht. Da muss ich nicht einkaufen gehen und die Lebensmittel auch noch mitschleppen.

Nach ca. einer Stunde erreichen wir ein kleines Geschäft und wir kaufen uns eine Banane. Wir haben Hunger und warten auf die nächste Bar. Heute fällt auf, wie unterschiedlich unsere Schritte sind. Karine bleibt ziemlich weit hinten, Reinhard ist bei ihr, ich gehe mit Franz vorne und beim Quatschen bemerken wir kaum, dass die Beiden immer weiter zurückbleiben. Ich verabrede mit Franz, dass ich mal ein Stück mit Karine gehe, dann kann Reinhard seinen normalen Gang laufen. Als ich mit Karine laufe stelle ich für mich fest, dass es so nicht geht, sie ist für mich viel zu langsam. Ich sage es ihr und sie erwidert, ich solle keine Rücksicht auf sie nehmen, sie komme schon weiter. Das waren die letzten Worte mit Karine, wir haben sie nicht mehr wieder gesehen.

In der nächsten Bar gibt es guten Kaffee und leckere belegte Croissants, wir ruhen uns aus. Dann gehts weiter und bald kommen wir nach Zubiri, wo wir gleich in der ersten Herberge Betten bekommen. Wir sind nur noch zu zweit, weil wir für Franz zu langsam waren und dieser mit einer Gruppe von jüngeren Leuten weitergezogen ist. Reinhard und ich teilen uns eine Waschmaschine, die Wäsche wird sogar getrocknet, nach einer Stunden liegen unsere Sachen schön zusammengefaltet in einem Korb, was für ein Leben! Wir sind 8 Leute in 4 Stockbetten, es ist ziemlich eng aber es ist trotzdem gut. Am Abend gehen wir in ein Restaurant und erhalten für 9 Euro wieder ein leckeres Pilgermenü mit Vor- und Nachspeise und mit Wein.

Am nächsten Morgen wird Reinhard nicht fertig, ich warte auf ihn, besorge ihm Wasser und warte wieder, ich würde gerne weiterziehen aber der Kerl wird nicht fertig. Endlich gehts dann weiter, schöne Wege, schönes Wetter, Lust auf Frühstück – die nächste Bar kommt auch bald. Wir werden laufend für ein Ehepaar gehalten und ein netter Herr will uns sogar zusammen fotografieren. Wir machen das Spiel mit, lachen. Aber ich fühle mich in dieser Rolle nicht wohl – ich glaube, ich muss mich langsam von Reinhard lösen. Wir können zwar gut zusammen laufen aber wir benehmen uns wirklich wie ein Ehepaar und das nervt mich.

Wir laufen auf Pamplona zu – ich schwächele – mir tun die Beine weh. Reinhard zieht mich weiter – er möchte in Pamplona unbedingt in der Casa Paderborn übernachten und wenn wir zu spät kommen sind die Betten alle belegt. Leider klappt das nicht – die Betten sind alle belegt. Wir werden ins Refugio Municipal geschickt und da staune ich aber – es handelt sich um eine alte Kirche, in die man eine Empore gebaut und somit Platz für 114 Pilger geschaffen hat. Das ist sehr beeindruckend, wir haben Betten in der ersten Etage und ruhen uns erst mal aus.

Dann ziehe ich los, die Gegend zu erkunden, tolle Stadt! Ich kaufe mir eine Kugel Zitroneneis – ich esse sonst nie Zitroneneis – aber dort lacht es mich an und ich genieße diese Kugel. Am Abend gehe ich mit Reinhard zusammen essen, wir suchen uns eine Bar in der es Pinchos gibt, so nennen sich hier die Tapas. Dort treffen wir einen jungen Mann, der auf uns zukommt und sagt, er hätte uns in SJPdP die Pässe abgestempelt. Reinhard setzt sich zu ihm und er zählt wieder mal seine Geschichte, es ist die Story, die ich schon erzählt bekam und auch schon einige andere Pilger, er erzählt sie jedem der sie hören möchte oder auch nicht. Ich kann sie nicht mehr hören, das geht nicht mehr lange gut… in dieser Nacht gab es ein Schnarchkonzert in einer Kirche.

Eigentlich wollten wir einen Tag Pause machen in Pamplona aber Reinhard sah sich die künftigen Etappen an und schlägt vor, doch noch mal fünf Kilometer zu laufen nach Zizur Menor und dort eine Pause zu machen. Dann ist auch der Weg nach Puenta la Reina nicht mehr so lang. Ok – ich bin einverstanden und wir machen uns am nächsten Morgen wieder auf den Weg. Unterwegs treffen wir ein dänisches Ehepaar, das gemeinsam vor vielen vielen Jahren schon mal den Weg gelaufen ist und jetzt nochmal auf den Spuren von damals reist, diesmal mit dem Auto. Wir machen eine kurze Fotopause und dabei fällt mir meine Camera runter – Sch… die Bilder sind jetzt alle fast weiß, ich brauche eine neue Camera.

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